AdobeRGB oder sRGB als Farbraum in der Kamera einstellen?

Unter Fotografen wird heiß diskutiert, welches Profil man in den Kameraeinstellungen auswählen sollte. Die einen favorisieren AdobeRGB aufgrund des größeren Farbraums mit mehr „Reserven“. Die anderen halten sRGB für die richtige Wahl. Wie so oft im Leben gibt es bei dieser Thematik kein „richtig“ oder „falsch“, denn je nach Workflow (Ein‑ und Ausgabegeräte usw.) und Vorlieben bei der EBV können beide Profile Ihre Trümpfe ausspielen.

Ein schönes Fazit, dass ich bedingungslos unterschreiben würde, zieht Andreas Beitlinger in einem sehr ausführlichen Artikel „AdobeRGB – Vorteil durch größeren Farbraum?

AdobeRGB hat sich in der Druckbranche als Standard etabliert und wird deshalb von manchen Verlagen und Bildagenturen als Arbeitsfarbraum gewünscht. Man kann es wählen, wenn es vom Auftraggeber verlangt wird, man eine ausreichende Softwareausstattung hat und über hinreichende Farbmanagement-Kenntnisse verfügt. Dasselbe gilt natürlich für andere große Arbeitsfarbräume sinngemäß.

Falsch angewendetes AdobeRGB ist nicht nur nutzlos, sondern es führt in vielen Fällen sogar zu sichtbar schlechteren Bildergebnissen. Den Satz: „Wer noch fragen muß, welchen Farbraum er verwenden soll, sollte sRGB nehmen.“ kann ich jederzeit unterschreiben.

Wenn die Betrachtung auf normalen Bildschirmen und Ausgabe mit Tintenstrahldrucker oder Belichtungsdienst im Vordergrund steht, erzielt man mit AdobeRGB nur in den seltensten Fällen überhaupt wahrnehmbare Verbesserungen gegenüber sRGB. Ein AdobeRGB-Workflow ist immer etwas umständlicher als ein sRGB-Workflow, weil man auf die Erhaltung der Profile achten und für bestimmte Zwecke nach sRGB konvertieren muß. Ob die Vorführung auf hochwertigen Monitoren, LCD-Fernsehern und Beamern den Mehraufwand für einen großen Farbraum rechtfertigt, ist Ansichtssache. Wäge ich diese Vor‑ und Nachteile gegeneinander ab, rate ich Hobbyfotografen nach heutigem Stand der Technik zur durchgehenden Verwendung von sRGB.

Allen, die jetzt noch mit sich ringen, welchen Farbraum sie künftig nutzen wollen, rate ich zu eigenen Versuchen.

Veröffentlicht von

Daniel Sprenger

Daniel Sprenger ist Blogbetreiber, Autor und Mediengestalter aus Leidenschaft. Zwischen Print- und Webdesign, versucht er sich in der Freizeit an der Fotografie.

Ein Gedanke zu „AdobeRGB oder sRGB als Farbraum in der Kamera einstellen?“

  1. Der Artikel ist zwar schon bisschen älter, kommentieren will ich ihn trotzdem :)

    Kann das auch voll unterschreiben. Was aber meiner Meinung nach noch weiter hinzukommt, ist: wieso kümmere ich mich überhaupt um das eingestellte Profil an der Kamera? Jemand der sich ernsthaft über die Frage sRGB oder AdobeRGB in der *Kamera* Gedanken macht, der sollte vielleicht zuerst einmal Nachdenken, ob er nicht lieber in RAW fotografieren möchte. Anschliessend kann man im Workflow sich über die Profilfrage Gedanken machen. Wenn ich schon Qualität verschenke bei der Aufnahme, dann macht der größere Farbraum den Kohl auch nicht mehr fett…

    Wenn jemand jetzt unbedingt „schnell“ fertige Bilder aus der Kamera benötigt, dann kann *ich* mir zumindest keine sinnvolle Umgebung vorstellen, wozu er AdobeRGB benötigt. Wenn zum Versenden, würden vorher angepasste Konvertierungseinstellungen in einem RAW-Konverter genauso schnell sein, bei deutlich besserer Qualität.

    Danke für den Artikel, viele Grüße

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