Gestern Abend wurde in Los Angeles die jährliche Adobe-Konferenz „MAX“ eröffnet. Die Keynote, die als Livestream übertragen wurde, konnte man sich um 19 Uhr (MEZ) hier ansehen und war sehr beeindruckend aufbereitet.
Mit über 300 Millionen Pixeln pro Sekunde rauschten die animierten Bilder in 3D über die gigantische Bühne. Die Eröffnungsszene war grandios inszeniert und brachte den ein oder anderen zum Staunen, ich glaube jeder, der das sehen durfte, war beeindruckt. Für eine Konferenz war das die wohl beste Keynote, die ich je gesehen habe. Aber seht selbst (einen kurzen Ausschnitt):
Adobe MAX 2011 Opening
Danach folgten die ersten Neuigkeiten, die Adobe verkünden durfte:
Adobe Creative Cloud
Adobe goes Cloudservice. Mit der „Creative Cloud“ bietet Adobe in den USA ab November, in weiteren Ländern im ersten Quartal 2012 einen Cloudservice für sämtliche Adobe Produkte an. Damit wird das Arbeiten mit der Dropbox und ähnlichen Lösungen unnötig, zumindest wenn es um Adobe geht. Damit ist der einfache Datenaustausch zwischen den Desktopprodukten möglich, zwischen iPad und iPhone, dem PC, Mac. Zum Beispiel können Daten, die mit Adobe Ideas (iPad App) erstellt wurden, direkt über die Creative Cloud mit Illustrator geöffnet und weiterverarbeitet werden.
Doch damit nicht genug. Adobe hat sich Gedanken gemacht, wie man die Geschichte mit den Schriften und –lizenzen vereinfachen könnte. Das war zwar auch bisher schon mit Webfonts möglich, was aber wenn ich mit Photoshop ein Mockup erstellen möchte mit Webfonts? Das wird in Zukunft möglich sein: Adobe hat den Webfont-Anbieter Typekit gekauft und wird den Service in die Creative Cloud mit einbinden. Somit kann von überall auf die Webfonts zugegriffen werden.
Adobe Digital Publishing Suite
Als die Adobe Digital Publishing Suite mit der CS5.5 erschienen ist, hat sich Adobe damit zunächst keine Freunde gemacht. Der Service war instabil und hatte kaum Funktionen. Dem anfänglichen Ansturm für die Pro-Accounts war Adobe nicht gewachsen und der Support war ebenfalls zunächst so gut wie gar nicht vorhanden. Langsam bessert sich die Lage – der Service hat viele silent Updates bekommen und jetzt wurde zur MAX das erste große Major Update angekündigt: Es wird preisliche Anpassungen geben. Die Professional Edition wird für $495 verfügbar sein, zusätzlich soll es Einzelausgaben geben. Diese kann man für $395 erstellen, ohne ein Abonnement abschließen zu müssen.
Außerdem scheint es nun keine folio-Limits mehr zu geben: Jeder Benutzer kann beliebig viele Folios ohne acrobat.com Account erstellen. Das klappte auch bereits bei einem ersten Test heute morgen. Damit ist wohl die größte Hürde für Einzelkämpfer behoben. Denn bisher konnte man maximal 1 Folio erstellen oder musste einen acrobat.com Account für relativ viel Geld kaufen.
Zuletzt wurde verkündet, dass WoodWing im kommenden Jahr ebenfalls auf die Digital Publishing Suite wechseln wird. Bisher hat WoodWing seine eigene iPad-App Lösung angeboten, die auch sehr stabil lief. Genau genommen war sie deutlich besser ausgerüstet mit Features und lief stabiler als die Adobe DPS. Dennoch will man nun zu Adobe zurück, der Schritt ist aber clever, denn zunächst bot man den Kunden von Anfang an ein stabiles, sauberes System an, jetzt, wo die Digital Publishing Suite endlich so weit ist (zumindest dann, wenn WoodWing umstellen wird), dass sie ebenfalls stabil läuft und vor allem auch in großen Workflows sinnvoll nutzbar ist (WoodWing Publishing System), wechselt man zurück und spart sich Weiterentwicklungskosten.
Deshalb würde ich es nicht als großes Aushängeschild für Adobe sehen, sondern vielmehr als cleveren Schritt von WoodWing und Ankündigung, dass man nun tatsächlich anfangen kann, die Digital Publishing Suite produktiv auch in großem Stil zu nutzen.
Adobe mobile Apps
Der Rest der Keynote drehte sich hauptsächlich um Touch-Apps. Adobe kündigte eine ganze Reihe an mobilen iPad-Apps an, die die Arbeit mit anderen Adobe Produkten sehr erleichtern sollen. Natürlich alles verbunden über die neue Creative Cloud.
- Kuler App: Die Farbkollektionsanwendung, die schon auf dem Desktop und im Web verfügbar ist, wird es ebenfalls für den iPad geben.
- Collage App: Bilder + Zeichnungen kombinieren, alles als Touch-App. Das schaut schon genial aus!
- Ideas App: wer mit dem Finger zeichnen kann oder Besitzer eines iPad-Stifts ist, hier ist die Zeichen-App.
- Carousel App: Photoverwaltung und Schnellbearbeitung mit Sharingoptionen.
- Debut App: auf dem Tablet Zeichnungen, Artworks usw. präsentieren.Import via Creative Cloud.
- Proto App: Diese App ist die neue Grundlage für Webdesigns. Hiermit lassen sich ganz einfach Wireframes erstellen und später in Dreamweaver importieren. Amazing!
- Photoshop Touch App: Photoshop auf Touch Devices. Zunächst auf Android, iOS kommt später. 3D Ebenenansicht, Polygonlasso, u.v.m. – das hat Potenzial!
PhoneGap
Nebenbei ahnten es bereits ein paar Zuschauer: PhoneGap wurde ebenfalls von Adobe gekauft. Somit sichert man sich auch auf diesem Bereich ein weiteres Produkt, was bereits in Adobe Produkte integriert wurde. In Dreamweaver CS5.5 ist PhoneGap ja bereits nutzbar für mobile Apps. Mit dem Kauf kann man nun selbst das Produkt beeinflussen und somit in die Richtung lenken, wie Adobe es denn gern hätte. Ob das gut ist oder schlecht, wird sich wohl noch zeigen…
Sonstiges
In den kommenden Tagen wird es seitens Adobe wohl noch viele kleine Neuerungen geben. Die MAX ist schließlich Adobes Aushängeschild und nirgendwo bieten sich Neuerungen mehr an.
Außerdem gibt es noch einen MAX Award, der an externe Leute vergeben wird, die mit Adobe Produkten großartige Leistungen erzielt haben. Wir haben einen deutschen Kollegen der InDesign User Group Rhein-Ruhr mit an Bord: Johannes Henseler mit seiner Bachelor-Arbeit „DONE“ (digitales Magazin für iPad und Android). Hier können Sie noch für ihn voten.
Nebenbei wird es heute Abend um 18 Uhr eine zweite Keynote geben, die man ansehen kann, diesmal rund ums Web und Flash: http://max.adobe.com/online/. Außerdem kann man die MAX in sämtlichen Social Media Portalen mitverfolgen.