Swatchbooker 0.7.3

Umzugshelfer für Farbe – Swatchbooker (0.7.3)

von Christoph Schäfer (Scribus-Team)

Jahre kreativen Arbeitens bringen fast zwangsläufig die Zusammenstellung eigener Farbpaletten für die verschiedensten Zwecke mit sich. Beim Wechsel auf eine andere Software oder gar ein anderes Betriebssystem möchte man diese natürlich gerne mitnehmen, doch nicht jedes Programm versteht jedes Palettenformat, was nicht zuletzt daran liegt, daß jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht, wenn es darum geht, Farbpaletten abzuspeichern. Dies ist besonders ärgerlich, wenn man aus Gründen der Konstanz in verschiedenen Anwendungen (z.B. CAD, Vektorgrafik, Bildbearbeitung, DTP) mit demselben Farbsatz arbeiten möchte.

Zwar gibt es eine Initiative des Create-Projektes, einer Kooperation verschiedener Open-Source‑ und Creative-Commons-Projekte, zur  Definition eines  universellen Ressourcenformates für Grafikanwendungen, das vom World Wide Web Consortium, dem auch Unternehmen wie Adobe oder Microsoft angehören, zum Standard erhoben werden soll, doch bis zur Fertigstellung einer ersten Version und einer Referenzimplementierung ist noch ein gehöriges Stück Weg zurückzulegen, und für Ressourcen aus älteren Anwendungen wäre ein solches Format ohnehin irrelevant.

In dieser Situation schickt sich ein noch junges, aber hochinteressantes Open-Source-Projekt namens Swatchbooker an, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander zu verbinden. Gegenwärtig in Version 0.7.3 für verschiedene Plattformen erhältlich, dient das Programm dazu, Farbpaletten in den verschiedensten Formaten zu öffnen, zu konvertieren und zu bearbeiten.

Standardpalette einer älteren CorelDraw-Version in Swatchbooker
Standardpalette einer älteren CorelDraw-Version in Swatchbooker

Zum jetzigen Zeitpunkt kann Swatchbooker die folgenden Palettenformate laden: aco, acb, act, ase, acf, bcf, clr (alle von Adobe), acb unverschlüsselt (AutoCAD), bcs (Digitaler Farbatlas), cpl (Corel), cs (ColorSchemer), gpl (GIMP), pal (Windows-Palette), qcl (Quark), soc (OpenOffice.org, StarOffice, Lotus Symphony) sowie die
XML-Palettenformate von CorelDraw X5, Scribus und Viva Designer (Dateiendung XML). Die Zahl der Speicherformate fällt demgegenüber zur Zeit noch deutlich geringer aus: ase (Adobe-Austauschformat ab CS2), gpl (GIMP), sbz (Swatchbookers eigenes XML-basiertes Format), soc (OpenOffice.org, StarOffice, Lotus Symphony) und Scribus-XML. Darüber hinaus kann man eine Palette auch als HTML-Seite exportieren.

Über die reine Konvertierungsfunktion hinaus bietet Swatchbooker einige weitere interessante Features, wobei zu berücksichtigen ist, daß diese vollständig nur im eigenen SBZ-Format unterstützt werden. Es lassen sich beispielsweise Farbnamen übersetzen, so daß beispielsweise unter einer englischsprachigen Benutzeroberfläche der Farbname »Brown«, unter einer deutschsprachigen »Braun« und unter einer niederländischen »Bruin« für dieselbe Farbe angezeigt würde. Nützlich ist auch die Möglichkeit, eine Farbe als Schmuckfarbe zu definieren, wobei es leider noch nicht möglich ist, dies für eine ganze Palette in einem Rutsch zu erledigen. Wer seine eigenen Farbkreationen mit anderen teilt oder sie gar im Internet zum Herunterladen bereitstellen möchte, wird die Möglichkeit schätzen, einer Palette Urheberrechts‑ und Lizenzinformationen sowie eine Beschreibung (etwa zum Einsatzzweck) hinzufügen zu können.

Das Feature, einer ganzen Palette oder auch einzelnen Farben ein Farbprofil zuzuweisen, sollte eigentlich von jeder professionellen Grafikanwendung unterstützt werden, denn weder nackte CMYK‑ noch reine RGB-Werte sind für sich genommen besonders aussagekräftig. Überflüssig zu sagen, daß bisher kein einziges Programm außer Swatchbooker diese Möglichkeit besitzt …

Installationsanleitungen für Mac OS X, Linux/UNIX und Windows befinden sich auf der Projektseite, wo auch die zusätzlich notwendigen Softwarepakete aufgelistet sind. Nach dem Herunterladen und Auspacken des Archivs bzw. der Installation mit Hilfe des Windows-Installers, läßt sich Swatchbooker am einfachsten von der Kommandozeile aus starten (unter Mac OS X, Linux/UNIX im Unterverzeichnis ~/src des Quellpaketes: ./swatchbooker.pyw bzw. python ./swatchbooker.pyw).

Wie die niedrige Versionsnummer erahnen läßt, hat der aus Belgien stammende Entwickler noch längst nicht alle Funktionen implementiert, die ihm für eine Versionsnummer 1.0 vorschweben. Über die Bearbeitung von Farben und Farbpaletten hinaus soll Swatchbooker daher zu einem universellen Ressourcenmanagement und –konvertierer für Grafikanwendungen ausgebaut werden, der beispielsweise auch mit Texturen, Füllmustern, Farbverläufen usw. umgehen kann. Spätestens dann wird der Projektleiter sich auch Gedanken über den Umstieg auf eine Programmiersprache wie C++ für Qt machen müssen, denn damit lassen sich komplette Installationspakete für diverse Plattformen leichter erstellen, und die Anwender wären nicht mehr gezwungen, vor der Benutzung allerlei zusätzliche Software zu installieren.

Veröffentlicht von

Christoph Schäfer

Christoph Schäfer ist Mitglied des Scribus-Entwicklerteams, einer der beiden Hauptautoren des offiziellen Scribus-Handbuches und Scribus-Trainer.

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