Typografische Verbrechen: Plenken und Klempen

Nachdem der Artikel „Typografische Verbrechen: Zollzeichen vs. Anführungszeichen“ bei meinen Lesern sehr gut ankam, folgt hier der zweite Teil der Serie.

Mit „Plenken“ bezeichnet man das Setzen eines Leerzeichens vor einem Satz‑ oder Wortzeichen (zum Beispiel Punkt, Komma, Fragezeichen), das laut DIN 5008 (Schreib‑ und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) nicht an diese Stelle gehört.

Falsch:

„Das war der schönste Tag meines Lebens !“
„Ich behaupte ,dass das falsch ist .“
„Kommst du heute zur Party ?“

Richtig:

„Das war der schönste Tag meines Lebens!“
„Ich behaupte, dass das falsch ist.“
„Kommst du heute zur Party?“

Das Wort „Plenk“ wurde abgeleitet vom englischen „blank“ (Leerzeichen) und ist kein feststehender Begriff der Typografie, sondern wird in dieser Form nur im Netz verwendet.

Das Gegenstück dazu, das sogenannte „Klempen“ bezeichnet das Weglassen eines Leerzeichens nach einem Satz‑ oder Wortzeichen.
Der Begriff „klempen“ ist eine Zusammenziehung aus den Verben „plenken“ und „klemmen“. Im englischen Sprachgebrauch wird ebenfalls das Wort „klempen“ und nicht „to clamp“ (klemmen) benutzt.

Falsch:

„Hier steht ein Punkt.Und gleich noch einer.“
„Chinesen dürfen klempen!Wir in Europa leider nicht.“
„Nach dem Komma,folgt immer ein Leerzeichen?“

Richtig:

„Hier steht ein Punkt. Und gleich noch einer.“
„Chinesen dürfen klempen! Wir in Europa leider nicht.“
„Nach dem Komma, folgt immer ein Leerzeichen?“

Helft mit und macht das Thema bekannt! Nur so kann es besser werden…

11 Gedanken zu „Typografische Verbrechen: Plenken und Klempen“

  1. Wenn in der französischen Typographie ein Spatium vor den Satzzeichen steht, wird das auch als Plenken bezeichnet?

    Gibt es auch einen Fachbegriff für doppelte Leerzeichen nach Satzzeichen (kann ich oft in Manuskripten von angelsächsischen Autoren feststellen).

    Martin Fischer

  2. Hallo Martin,

    Französisch ist ein Sonderfall und gilt nicht als Plenken. Nachzulesen im verlinkten Wikipedia-Artikel.

    Zu doppelten Leerzeichen konnte ich keinen Begriff ausfindig machen.

    Hinweis: bei diesen Begriffen handelt es sich nicht um Fachbegriffe aus der Typografie!

  3. Äußerst interessant zu erfahren, dass auch DIN-Normen falsch sein können. Das Fragezeichen bezieht sich nicht auf das Wort Party oder Versammlung oder Kneipe oder Königreichssaal, sondern auf einen ganzen Sachverhalt, eine Abwesenheit, also auf den ganzen satz.
    Ist doch logisch, oder ?

    Ich „lese“ mit einem Screenreader mit Sprachausgabe, und die synthetische Stimme liest Party ? genau so wie Party? durch anheben der Stimme
    Wir beugen uns der Tyrannei nicht !

    Die Schweizer haben uns Germanisten die rechtschreibreform eingebrockt, die tatsächlich Verbesserungen eingebracht hat mit der Verwendung von ß. Nun aber kippen sie sie wieder und schreiben „Grüsse und Küsse“, die Mass im Hofbräuhaus und das Mass aller Dinge.

    Die Mehrheit hat nicht immer recht. Auch mit sprachfehlern nicht. Über die Hälfte der deutschen Radiosprecher, im übrigen perfekte Profis mit Bühnenausbildung, bestehen auf Aafrika, trotz der beiden Konsonanten, trotz des Französischen, Englischen, des Haussa !
    Und warum duuschen aber waschen, löschen ?
    Seit 1868 lautet das Adjektiv für das Land Kamerun eben Kameruner, unveränderlich und groß geschrieben wie Frankfurter Würstchen, Kameruner würstchen. Um 1964 hat ein der deutschen Geschichte unkundiger Bürobeamter des Protokolls im Auswärtigen amt das Wort Kamerunisch erfunden. Als ich dieses Verbrechen an der Geschichte feststellte und es im Duden veewigt wurde, schrieb ich an die Duden–Redaktion. Und sie sagten,sie müssten sich dem AA beugen. Der Duden der DDR behielt die richtige form noch zwei Jahre bei, gab aber schließlich nach zugunsten der deutschen Einheit. Als ich nun die alternativform „Kameruner“ in die deutsche wikipedia eintrug, Artikel Kamerun, hat der Privatbesitzer dieses Themas den Eintrag am nächsten Tag wieder gelöscht. Und einen Monat später noch einmal. Die wikipedia ist nicht so demokratisch wie sie sein möchte.

    Ein Gutes Neues Jahr et pacem hominibus bonae voluntatis.

    Max F. Dippold
    professeur d’allemand
    F-79140 Combrand
    ++ zu Bonn

  4. Hello Anti-Plenk … alles richtig, nur: warum ausgerechnet ein gramatisch falsches Beispiel verwenden?

    „Nach dem Komma, folgt immer ein Leerzeichen?“ – nach DIESEM Komma folgt aber gar kein Komma …

  5. Also, nachdem ich den Artikel über die An‑ und Ausführungzeichen gelesen habe, habe ich mich schon gefragt, ob manche Leute keine anderen Sorgen haben.
    Aber wenn ich sowas hier (s. o.) vor Augen habe, platzt mir geradezu die Hutschnur.
    Wenn einer meint, klüger als andere zu sein, sich über ein Detail in der schriftlichen Sprache zu mokieren und dann seinen „Vortrag” selber mit Fehlern dekoriert, kann ich nur mitleidig lächeln und mit dem Kopf schütteln.
    Wie mir sofort auffiel und crisismaven ebenfalls bemerkte, ist das Komma nach dem „Komma” fehl am Platze, unmotiviert ist nach meinem Geschmack das Ausrufezeichen in „Chinesen dürfen klempen!”
    Wenn also Klugsch…, dann richtig!
    Wie war das gleich mit dem Glashaus?
    Dem französischen Professeur seien seine ortografischen und anderen Fehler nachgesehen. Obgleich ich es schon etwas bedenklich finde, wenn ein Professor solche Schwächen bei der Sprache, die er unterrichtet, hat. Bei einem Lehrer an der Schule in der neunten Klasse oder so würde ich ja nicht so sehr hinsehen, aber in diesem Falle…
    Nun ja, was geht’s mich an…?

  6. Vor den Auslassungspunkten am Ende von „Helft mit und macht das Thema bekannt! Nur so kann es besser werden…“ fehlt übrigens ein Leerzeichen = Klempen.
    Mal davon angesehen, dass die Auslanssungspunkte hier falsch sind, weil der Satz zuende ist. ;)

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