Scribus – die freie Alternative zu InDesign

Scribus ist eine kostenlose OpenSource DTP-Anwendung, die unter Windows, Mac OS Ⅹ und Linux läuft.

Mittlerweile ist das Programm sogar für den Produktiveinsatz bei Profis im Druck‑ und Publishingbereich geeignet.
Es bietet eine gute Benutzeroberfläche, die zwar nicht der von Adobe ähnelt, sondern eher wie GIMP (und damit nicht so übersichtlich wie bei Adobe-Programmen) aufgebaut ist,man gewöhnt sich jedoch trotzdem recht schnell an die Bedienung des Programms.

Für die professionelle Arbeit im DTP Bereich sind einige Fähigkeiten in den letzten Versionen hinzugefügt worden. Seither kann die Software Die Software kann damit nun mit Colormanagement umgehen (auch schon länger), Sonderfarben gesetzt werden, CMYK Farben erstellen und separieren und zu guter letzt via Ghostscript eine finale Druck-PDF ausgeben. Das mag zwar im Vergleich zu InDesign mit dem nativen PDF Export nicht ganz mithalten, dennoch kommen recht ordentliche Daten aus dem Ghostscriptworkflow heraus Wie ein Scribus Entwickler in den Kommentaren dankenswerter Weise bereits schrieb, kommt der PDF Export ohne die Ghostscriptbibliothek aus, die lediglich für die Darstellung von EPS Daten im Import verwendet wird, und schreibt ein ähnlich gutes PDF wie der Export der kommerziellen InDesign Software. Eigene Tests habe ich noch nicht machen können, inwieweit Fehler aufkommen können, einer Druckerei zufolge gibt es jedoch so gut wie nie Probleme mit den Daten.

Doch ist es wirklich eine Alternative für Adobe InDesign? Einen klaren Gewinner gibt es, wenn man nach dem Preis geht: Scribus ist kostenlos, während der Normalmensch für InDesign ziemlich genau 1000 Euro berappen muss…
Die Installation von Scribus geht schnell und einfach von statten und installiert Ghostscript (PDF Ausgabe) gleich mit. Der Start dauert jedoch leider immer etwas lange. Das ist man zwar auch von InDesign gewöhnt, dennoch fällt dies negativ bei Scribus auf. Zumal das Programm für jedes Dokument eine eigene Instanz aufbaut und das Öfnnen so stark verzögert.

Die Menüleiste ähnelt den anderen DTP Programmen und erscheint dem Anwender vertraut. Das Dialogfeld beim Erstellen eines neuen Dokumentes ist übersichtlich, mit kleinen Symbolen ausgestattet und übertrifft damit den etwas „einfachen“, umständlichen InDesign Dialog. So gibt es direkt eine Vorlage für ein Wickel‑ und ein Zickzackfalzblatt. Warum die Dokumentenmaße jedoch auf 3 Kommastellen angegeben werden sollen, ist fragwürdig, liegt aber wohl nur an der Umrechnung einer anderen, nicht metrischen, Maßeinheit.

Die Dokumentanzeige ist ebenfalls wie bei allen anderen DTP-Tools, die Toolbars und Menüleisten sind nun aber anders angeordnet. Von Haus aus sind alle Werkzeuge und Optionen oberhalb der Layoutfläche angesiedelt, jedoch frei verschiebbar, so dass man die Werkzeuge auch links hinschieben kann. Sehr flexibel, was einen sehr personalisierten Workflow zulässt!
Die untere Toolbar beinhaltet die Zoom‑ und Ansichtsoptionen für das Dokument bzw. die Seite(n). Darunter befindet sich auch direkt eine Schaltfläche die die komplette Seite auf der Anzeigefläche darstellt. Das fehlt z.B. bei InDesign und ist nur mit einem Tastenkürzel möglich.

Die Einstellungen von Scribus sind vielfältig und lassen Standardordner festlegen für Templates, Scripts und Farbprofile. Maßeinheiten, Hilfslinieneigenschaften, typografische Einstellungen, Werkzeugeigenschaften, Grammatik, Schriften, Druckeroptionen, Preflighteinstellungen und viele viele andere Möglichkeiten stellt Scribus hier bereit.

Ein paar Tipps & Tricks finden sich auch hier an Hand eines Abizeitungsbeispiels, ansonsten sind Erfahrungsberichte natürlich auch direkt hier im Blogkommentar gerne erwünscht…

Veröffentlicht von

Anselm Hannemann

Anselm Hannemann ist Inhaber der Novolo Designagentur und beschäftigt sich mit sowohl mit Drucksachen als auch mit Webprojekten. Für seinen eigenen Agenturblog schreibt er bereits seit längerem einige Artikel über den Bereich der Medienwelt mit bunter Mischung zwischen Fachartikeln und kleinen Tipps für Laien. Er ist mitwirkend im Mediengestalter.info Forum und ist Standortleiter der InDesign User Group München.

10 Gedanken zu „Scribus – die freie Alternative zu InDesign“

  1. Auch wenn ich das aktuelle Scribus nicht kenne, sondern nur eine Version von vor 3 Jahren: ich fand es ganz gut. Mal abgesehen davon, dass es nix kostet, war es damals schon ziemlich umfangreich und gut – zumindest im nonprofessionellen Bereich. Die jetzt hinzugekommenen Sachen scheinen es gut abzurunden, um zumindest den semiprofessionellen Bereich abzudecken.
    Doch Chancen gegen den Platzhirsch sehe ich nicht – Adobe ist halt Standard und wird es auch trotz schlechter Programmperformance (mein Empfinden bei CS3 und CS4) auch bleiben.

  2. Hallo,

    als Scribus-Entwickler darf ich mir vielleicht ein paar Korrekturen erlauben ;)

    1. Scribus läuft auch unter OS/2 und den meisten UNIX-Varianten (*BSD, Solaris etc.).

    2. Farbmanagement ist schon seit anno dunnemal ein Scribus-Feature.

    3. Die PDF-Ausgabe ist vollkommen unabhängig von Ghostscript, denn letzteres wird *ausschließlich* für den Import von EPS-Dateien in Bildrahmen und die Druckvorschau verwendet. Scribus verfügt über eine eigene Programmbibliothek zum PDF-Export, die weit über die Fähigkeiten von Ghostscript hinausgeht und die die PDF-Spezifikation(en) streng umsetzt.

    4. „Das mag zwar im Vergleich zu InDesign mit dem nativen PDF Export nicht ganz mithalten“ Was fehlt denn im Vergleich zu InDesign? (keine Kritik an der Aussage, aber wir würden gerne wissen, wo und wie wir Verbesserungen anbringen können)

    5. Ghostscript wird nicht mitinstalliert.

    6. „Warum die Dokumentenmaße jedoch auf 3 Kommastellen angegeben werden sollen, ist fragwürdig“ Man mag es glauben oder nicht: Anwender haben danach gefragt, und weil es kein großer Aufwand war, wurde es implementiert ;)

    7. „Grammatik“ Na, so weit gehen wir denn doch nicht und überlassen es denn Anbietern Textverarbeitungsprogrammen, sich den Kopf über Softwareanalysen von Texten zu zerbrechen und anschließend stolz auf eine Erfolgsquote von ca. 50 % zu sein ;) Wahrscheinlich war die Rechtschreibprüfung gemeint …

  3. @Scribus-dev:

    Danke für die Aufklärung, einiges war mir tatsächlich nicht so klar, da werde ich dann nachbessern.
    Vor allem was die PDF Ausgabe beinhaltet hatte ich da wohl nicht ganz recht.

    Punkt 6 kann ich mir zwar nicht ganz vorstellen, das wäre vielleicht auch schön, wenn man das selbst einstellen kann?

    EDIT: Der Artikel ist nun ausgebessert, über nähere Informationen zum PDF Export und möglichen Fehlern würde ich mich freuen.

  4. „Mittlerweile ist das Programm sogar für den Produktiveinsatz bei Profis im Druck‑ und Publishingbereich geeignet.“

    Mit dem größten Respekt für die Leistung der Open-Source-Gemeinde: Bitte nenne mir einige Profis im Druck‑ und Publishingbereich, die bereit sind, dies zu bestätigen.

  5. @Arnd

    „Mit dem größten Respekt für die Leistung der Open-Source-Gemeinde: Bitte nenne mir einige Profis im Druck‑ und Publishingbereich, die bereit sind, dies zu bestätigen.“

    Lassen wir einfach eine Druckerei antworten:
    http://goo.gl/3QMrpn

    Woher kommt eigentlich die Skepsis gegenüber OSS?

  6. hi

    ich glaube auch nicht dass ein proffes. drucker das verwenden würde. es geht da ja auch um prestige und anerkennung finde ich…

  7. Hallo,

    für Umsteiger fehlt allerdings noch ein Datenimport von INDD zu Scribus – das fällt mir als einziges Negativ auf. Denn meine Daten sind alles INDD, doch aus Kostengründen wollte ich auf Scribus umsteigen (und weil es mich überzeugt hat) und der Import hat nur mit Vector-Daten geklappt – diese sind aber nicht editierbar!?

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