PDF/X-4 – Neuer Standard?

Mit Veröffentlichung der Creative Suite 3 steht eine neue PDF-Spezifikation zum Export zur Verfügung. Doch was ist anders an PDF/X-4?

PDF/X-4 setzt im Prinzip auf dem bewährten Druck-Standard PDF/X-3 auf, welches RGB‑, CMYK‑ und Graustufenobjekte zulässt, aber keine Transparenzen. Das wirklich Revolutionäre ist nun die Verwendung von echten Transparenzen im PDF. Diese mussten bisher beim PDF-Export immer reduziert werden. Dies wird durch PDF/X-4 nun ans Ende des PDF-Workflows verschoben und erst im RIP reduziert (geflattet). Daraus resultiert eine höhere Produktionssicherheit und die Probleme mit Transparenzen sollten sich so ziemlich ausschließen lassen. Zudem ist dieser neue Standard ein weiterer Schritt weg vom alten PostScript-basierten hin zum modernen reinen PDF-Workflow.

Das Problem derzeit ist noch, dass manche RIPs keine Transparenzen handeln können, da diese PostScript-basiert sind und in PS einfach keine Transparenzen vorgesehen waren. Adobe stellt deshalb seit 2006 seine PDF Print Engine Workflow-Anbietern wie Heidelberg (Prinect) und Agfa (ApogeeX) zur Einbindung in deren Systeme zur Verfügung. Heidelberg hat mit der neuen Version 6.5 seines MetaDimension-RIPs die Print-Engine mit integriert. Andere Hersteller werden mit Sicherheit in nächster Zeit nachziehen.

PDF/X-4 liegt zur Zeit der ISO zur Standardisierung vor. Vor Verwendung in Print-PDFs zur Weitergabe sollte man allerdings erst Rücksprache mit der jeweiligen Druckerei halten, ob deren RIP mit Transparenzen umgehen kann. PDF/X-4-Dokumente lassen sich zudem erst ab Acrobat und Reader 7.0 öffnen.

Veröffentlicht von

Marc Diem

Marc Diem ist gelernter Mediengestalter FR Operating und studiert derzeit an der Hochschule der Medien Druck- und Medientechnologie.

7 Gedanken zu „PDF/X-4 – Neuer Standard?“

  1. Dann wird es wohl noch ein paar Jahre dauern, bis sich PDF/X-4 als Standard in der Druckindustrie durchsetzt. Selbst X-3 ist ja leider noch nicht bei allen Druckereien angekommen.

  2. Eigentlich sollte jede Druckerei in der Lage sein, ein PDF/X-3 zu verarbeiten. Das Problem liegt dabei meistens auf Seite der Agenturen, die nicht richtig mit dem Format umgehen können.

  3. Mit den paar Jahren kann ich Gangarth nur Recht geben.
    Es gibt auch Druckereien die mit Acrobat 5.0 oder älter arbeiten.

  4. Traurig aber wahr. Aber selbst mit Acrobat 5.0 könnte man ja ein PDF/X-3 ohne Probleme verarbeiten.
    Wobei das Problem ja nicht unbedingt am Acrobat hängt, sondern eben an der Fähigkeit der RIPs mit Transparenzen umzugehen. Da haben die meisten Druckereien noch dringend Nachholbedarf.

  5. Leider ist es wieder einmal so, dass Adobe neue PDF/X-Normen, die ja noch nicht mal international abgesegnet sind (oder?) in seine Produkte integriert, die entsprechenden Ausgabesysteme aber noch gar nicht auf den notwendigen, aktuellen Stand sind. Workflow-Systeme werden eben nicht mal kurz upgedated.

    Das Problem mit der PDF/X-3-Norm ist die Verarbeitung der RGB-Elemente. Viele Datenersteller verwenden einfach die Distiller-PDF/X-3-Standard-Joboption und geben dann unbewusst PDF mit einem falschen OI weiter. Dies würde in einem automatisierten Workflow bedeuten, dass anhand diesem OI die RGB-Elemente separiert werden. Außerdem sind die PDF/X-Normen keine Garantie dafür, dass mein PDF keine Fehler enthalten kann, obwohl diese Meinung leider weit verbreitet ist. Leider empfehlen viele Druckereien trotzdem die PDF/X-3-Norm,
    schließen gleichzeitig RGB-Elemente aber aus?! Stattdessen wäre in vielen Fällen ein PDF nach der PDF/X-1a-Norm viel besser und vollkommen ausreichend. Doch davon möchte man in vielen Unternehmen und Agenturen nichts wissen…

    Leider stimmt wie so oft die Kommunikation zwischen den Datenerstellern‑ und verarbeitern nicht. Daran können auch neue PDF/X-Normen nichts ändern.

    Meiner Meinung nach werden sich medien‑ oder verfahrensneutrale Druckdaten auf Dauer durchsetzen. Damit könnte man, mit einer einzigen Produktionsdatei, viele verschiedene Arten an Ausgabesystemen bedienen. Momentan jedoch, funktionert dass aus technischen und kommunikationstechnischen Gründen noch nicht.

  6. Die Idee, die hinter PDF/X-3 und X-4 steckt ist zwar nachvollziehbar, aber aus praktischer Sicht meiner Meinung nach etwas unsinnig und wiedersprüchlich.
    Warum soll die Produktionssicherheit bsw. höher sein, wenn ich die Umrechnung in das Ausgabe-CMYK und die Reduzierung der Transparenzen der Druckerei überlasse?
    Da reduziere ich die Dateien doch lieber vorher und überzeuge mich selbst von dem Ergebnis.

    Das Argument mit der „Medienneutralität“ und „verschiedene Ausgabemedien“ finde ich ebenfalls etwas praxisfern:
    In den meißten fällen werden für unterschiedliche Produkte eh verschiedene Dateien benötigt, allein schon wegen den unterschiedlichen Formaten.

    Zudem erscheint es mir wiedersprüchlich, eine einzige PDF/X für alle Ausgabemedien zu erstellen, die (zwingend) EINEN bestimmten Output Intent enthält.
    Wie soll ich bsw. ein Bild gleichzeitig für einen Katalog und eine Tageszeitung optimieren?! (Stichwort Softproof) Das würde maximal zu einer Kompromisslösung führen.

    Meine Lösung:
    PDF/X-1a ist immernoch sichersten. (kalibrierter Workflow vorrausgesetzt)

  7. Bei den modernen RIPs sollte X4 kein Problem mehr darstellen, denn wenn ein RIP so alt ist, dass er nicht mit Tranzparenzen umgehen kann, ist auch meißt die Hardware völlig veraltet. Daraus ergibt sich auch das Problem zu gering limitierter Datenmengen, die verarbeitet werden können. Wir stießen mit dem alten RIP bei einem Bildkalender im A2-Format bisher immer an unsere Grenzen.

    Ein weiteres Problem von der frühen Tranzparenzreduzierung ist auch, das an der „Schwelle“ der Reduzierung Farbverschiebungen auftreten können, wenn zum Beispiel ein RGB-Bild im Hintergrund liegt und dieses dann nicht genau so wie der reduzierte Bereich später gewandelt wird.
    Hierfür gibt es nur eine Lösung: X1, der ausschließlich einen Farbraum zulässt.

    Da aber zum Flattening eine Menge zum Thema Farbmanagement (PSO ISO-12647) gehört ist mir eine X4 immer noch lieber als eine unwissentlich gewandelte X1.

    Agenturen haben zu wenig Ahnung von der Produktion und es die Aufgabe der Druckdienstleister an dieser Stelle aufzuklähren und alles richtig zu machen, als dem Datenlieferanten den Schwarzen Peter zuzuschieben.

    Noch ein Wort zu Björn Richter’s Aussage:
    Das größte Problem mit reduzierten Tranzparenzen besteht immer noch im Trapping, denn durch das Flattening werden haarfeine Linien erzeugt, die viel zu oft fälschlich getrappt werden und auch noch sichtbar sind. Das passiert mit X4 nicht.

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