MedienStandard Druck 2007 veröffentlicht

Der Bundesverband Druck und Medien veröffentlichte vor wenigen Tagen die aktuelle Fassung des MedienStandard Druck 2007. Darin enthalten sind die technischen Richtlinien für Daten, Prüfdrucke und Filme. Sie bilden die gemeinsame Grundlage für eine reibungslose (technische) Zusammenarbeit von Auftraggeber, Vorstufenbetrieb und Druckerei. Zielsetzung: „Macht drucken einfach!“.

Alles schön und gut, nur leider sind wir in der Praxis weit von einer reibungslosen (technischen) Zusammenarbeit entfernt.

Beispiel aus der Praxis

Ein Diplom Grafikdesigner (FH), nennen wir ihn Herr von Bödefeld, war früher schon der Liebling aller FH-Professoren, weil er so tolle typografische Experimente wagte und so oft wie möglich durch außergewöhnliche Gestaltung auffiel. Irgendwie muss man ja aus der Masse an Studenten herausragen.

Jedenfalls hat unser Herr von Bödefeld zwar „Design“ studiert, allerdings war im Studium nie die Rede von Farbräumen, PDF-Erzeugung, Punktzuwachs oder ISO-Normen für den professionellen Offsetdruck. Was also in der Praxis passiert ist, dass besagter Vorstufenbetrieb mit den gelieferten Daten von Herrn Diplom Grafikdesigner (FH) von Bödefeld – ohne Nachbearbeitung – nichts anfangen kann. Daten in RGB, kein Anschnitt vorhanden, Schriften nicht eingebettet, Volltonfarben für 4-farbige Aufträge etc. Alles schon erlebt und genossen.

Was sich der Bundesverband Druck und Medien meiner Meinung nach überlegen sollte ist, wie man den MedienStandard Druck 2007 „an den Mann“ bzw. zu den Auftraggebern bringt. Druckvorstufenbetriebe und Druckereien wissen (in den meisten Fällen) Bescheid, zumindest reichen ihre Kenntnisse aus, um am Ende ein ordentliches Druckprodukt in Händen halten zu können.

Ich möchte nicht alle Auftraggeber (Agenturen, Mediengestalter oder wie im Beispiel Diplom Grafikdesigner (FH)) schlechter reden als sie sind, aber meine Erfahrungen aus der Praxis (Druckvorstufe Druckerei) zeigen, dass in 6 von 10 Druckaufträgen fehlerhafte Daten angeliefert werden. Irgendwas findet sich immer! Leider machen wir auch einen Fehler: Als Druckereidienstleister des Vertrauens, bügeln wir die Fehler unserer Kunden aus, ohne ihnen die gemachten Fehler mitzuteilen. Bringt für den Kunden einen entscheidenden Vorteil: Sein Druckprodukt wird fehlerfrei produziert. Der Nachteil dieser Methode, liegt auf der Hand: Der Auftraggeber lernt nicht aus seinen Fehlern und schickt das nächste Mal wieder den gleichen „Mist“.

Alle Titel und Namen sind frei erfunden. Gemeinsamkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Veröffentlicht von

Daniel Sprenger

Daniel Sprenger ist Blogbetreiber, Autor und Mediengestalter aus Leidenschaft. Zwischen Print- und Webdesign, versucht er sich in der Freizeit an der Fotografie.

3 Gedanken zu „MedienStandard Druck 2007 veröffentlicht“

  1. In der Realität liegen Praxis und die reibungslose, so einfach scheinende Theorie selbstverständlich weit auseinander. Wir finden das Werk trotzdem gut und haben es zu besonderen Anlässen unseren Mitarbeitern geschenkt…

    lg

  2. Das oben genannte Beispiel spricht mir aus dem Herzen. Die hochstudierten Grafikdesigner sind in der Regel die schlimmsten, können zwar super gestalten, da sind sie besser wie wir aber von der Datenaufbereitung ist meist wenig notweniges Wissen vorhanden. Wir quälen uns täglich mit fehlerhaften Daten. Nun stellt sich die Frage, was tun. Kostenloser Unterricht? Wir machen es im eigenen Interesse, meistens wird es mit einer dauerhaften und fruchtbaren Kundenbeziehung belohnt.
    Beste Grüße und immer die Ruhe bewahren.

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